Stillen nach Packungsbeilage?

Stillen nach Packungsbeilage?

8. Deutscher Still- und
Laktationskongress in Berlin
Über 1200 Mitglieder des Gesundheitspersonals aus Deutschland und anderen europäischen Ländern werden drei Tage lang interdisziplinär über ein Thema diskutieren, das seit Menschengedenken doch eigentlich selbstverständlich ist. Oder?

Schon im alten Rom wurde gefordert, dass Mütter ihre Kinder mindestens 6 Monate stillen. Reiche Ägypter setzten Verträge mit gut bezahlten Ammen auf, die ihre Säuglinge ernährten und im Koran ist schriftlich eine Stilldauer von mindestens zwei Jahren festgehalten. Altbewährt ist sie sicherlich, die Muttermilch, aber keinesfalls veraltet.

Auf dem aktuellen Stand der internationalen Forschung lesen sich die Ergebnisse heutiger Studien wie die Entdeckung eines Wundermittels: Muttermilch wirkt präventiv gegen Allergien, fördert das Sehvermögen, die manuelle Geschicklichkeit und die sprachliche Entwicklung, erhöht Intelligenz und Konzentrationsfähigkeit. Stillen hilft den Müttern beispielsweise bei der nachgeburtlichen Gewichtsabnahme und reduziert das Risiko an Wochenbettdepression oder Brustkrebs zu erkranken. Muttermilch ist überaus attraktiv verpackt, macht selten Probleme bei der Lagerung, ist frisch sowieso am besten, lässt sich aber auch problemlos über mehrere Monate einfrieren - ganz ohne Konservierungsstoffe. Die Zusammensetzung ist nicht immer gleich, aber immer richtig und es gibt Muttermilch gratis - unabhängig von Konjunktur und Milchpreisen.

Und trotzdem wird die Mehrzahl der Säuglinge und Kleinkinder in Deutschland nicht ausreichend gestillt, sondern mit Ersatzprodukten aus dem Drogeriemarkt ernährt. Ist Stillen nicht mehr „in“? Ist die Angst zu groß, etwas falsch zu machen oder klingen die Alternativangebote einfach so viel versprechend? Bei der Mutterbrust fehlt vielleicht nur das attraktive Werbeschild, das zum Kauf verführt, die Packungsaufschrift, die das Produkt anpreist und der Anleitungszettel, der die richtige Bedienung erklärt und aufkommende Fragen beantwortet.

1994 wurde das Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen gegründet und nimmt sich seitdem eben dieser Aufgabe an. Durch Fort- und Weiterbildung schult das Ausbildungszentrum Laktation und Stillen qualifiziertes Personal, das die Aufgabe der Packungsbeilage übernimmt, aufklärt, erklärt und individuelle Beratung bietet. Zusätzlich gibt es eine spezielle Weiterbildung zur Neonatalbegleitung, die Fachleute auf die besonderen Anforderungen der Betreuung von Frühgeborenen, kranken Neugeborenen und ihren Eltern vorbereitet.

Vom 29. September bis zum 1. Oktober 2011 veranstaltet das Ausbildungszentrum Laktation und Stillen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen HebammenVerband e.V. in Berlin den 8. Deutschen Still- und Laktationskongress „…unter dem Schutz des Stillens“.

In Zusammenhang mit dem Kongress findet das 14. interdisziplinäre Symposium zur entwicklungsfördernden und individuellen Betreuung von Frühgeborenen und ihren Eltern statt sowie die Fachtagung der Academy of Breastfeeding Medicine.

Mehr als 90 Referenten aus Deutschland, Österreich, Schweden und den USA präsentieren neue Erkenntnisse aus der Forschung, diskutieren mit den TeilnehmerInnen in Expertenforen und besprechen Fragen zu Stillmanagement und Ethik. Dabei geht es um weit mehr als um die Frage „Stillen - ja oder nein“. Themen wie Stillen als Prävention von Depressionen und Erkrankungen, die Einbindung von Vätern, Erfahrungsberichte zu der überlebenswichtigen Bedeutung von Muttermilch im Sudan, Umgang mit dem Tod von Neugeborenen, auch Stillen nach sexuellem Missbrauch und Stillen zur Vorbeugung von Kindesmisshandlung wird thematisiert.

Vor, nach und zwischen den Veranstaltungen besteht die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch mit KollegInnen und SpezialistInnen. Dazu präsentieren 45 nationale und internationale Aussteller Stillhilfsmittel, Schulungsmaterialien, Klinikbedarf für Neugeborene. Selbsthilfeinitiativen und Kliniken stellen sich und ihre wertvolle Arbeit für die Gesellschaft vor.

Die Erkenntnisse und Hilfen zum Thema Stillen entwickeln sich weiter und so stellt sich die Frage, wie viele dieser Kongresse es noch geben wird, bis Muttermilch wieder das ist, was sie einmal war: das selbstverständlichste Lebensmittel der Welt.

Quelle:
Caroline Muhl
Pressestelle
Ausbildungszentrum Laktation und Stillen
Ottenstein, September 2011

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